Ratgeber · Betrug am Telefon
Schockanruf: So erkennen Sie die Masche
und reagieren richtig.
Eine weinende Stimme, ein angeblicher Polizist, eine hohe Kaution, die sofort bezahlt werden muss: Schockanrufe sind darauf angelegt, dass Sie nicht mehr in Ruhe nachdenken. Hier lesen Sie, wie die Masche abläuft, woran Sie sie erkennen und wie Sie selbst bestimmen, was als Nächstes passiert.
Zahlen: Polizeiliche Kriminalstatistik, Bundeskriminalamt.
So läuft es ab
Ein Schockanruf folgt fast immer demselben Muster.
01
Der Schock
Jemand weint oder schreit am Telefon: Ihr Kind oder Enkel hatte einen schweren Unfall, jemand ist dabei gestorben. Die Stimme ist aufgewühlt und schwer zu erkennen.
02
Die „Behörde“
Ein angeblicher Polizist, Staatsanwalt oder Arzt übernimmt. Er klingt ruhig und sachlich und erklärt, dass nur eine Kaution das Gefängnis verhindert.
03
Der Druck
Sie sollen sofort zahlen, niemandem davon erzählen und am Telefon bleiben. Ein „Bote“ holt Bargeld oder Schmuck an der Haustür ab.
Ein Beispiel aus dem Kurs
Martin hört: „Papa? Papa, ich bin’s …“
Martin Berger, 67, ist allein zu Hause, als das Telefon klingelt. Eine Frau weint, sie klingt wie seine Tochter Nina. Dann übernimmt ein Mann, der sich als Polizist vorstellt: Nina habe einen Unfall verursacht, nur eine Kaution könne helfen, und zwar sofort.
Im Kurs sehen Sie, an welchen Stellen Martin innehalten kann, wie er das Gespräch beendet und warum ein Rückruf bei Nina unter ihrer bekannten Nummer alles klärt.
Diese Geschichte erleben Sie im Kurs als Video (Kapitel 2).
Varianten
Diese Geschichten erzählen die Täter.
Der Unfall mit Kaution
Ein Angehöriger soll einen tödlichen Unfall verursacht haben. Gegen eine Kaution komme er frei.
Der falsche Polizist
Ein „Kommissar“ warnt vor Einbrechern und bietet an, Ihr Geld sicher zu verwahren. Mehr dazu
Der Enkeltrick
„Rate mal, wer hier ist?“ Ein angeblicher Verwandter steckt in einer Notlage und braucht dringend Geld.
Die Nachricht statt des Anrufs
Dieselbe Masche per WhatsApp oder SMS: „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer.“ Mehr dazu
Die nachgemachte Stimme
Mit künstlicher Intelligenz lassen sich Stimmen täuschend echt nachahmen. Eine vertraute Stimme ist deshalb kein Beweis mehr.
Der Anruf vom „Amt“
Auch angebliche Richter, Bankmitarbeiter oder Ärzte rufen an. Die Rolle wechselt, das Ziel bleibt: Ihr Geld.
Warnsignale
Daran erkennen Sie einen Schockanruf.
- Angst: Unfall, Festnahme, Krankenhaus: Die Geschichte soll Sie erschrecken.
- Eile: Es muss sofort gehandelt werden.
- Geheimhaltung: Sie sollen niemandem davon erzählen und nicht auflegen.
- Geldforderung: Es geht um Bargeld, Gold, Schmuck oder eine Überweisung.
- Ein Bote soll das Geld bei Ihnen abholen.
Richtig reagieren
Ihre vier Schutzschritte.
- Innehalten. Atmen Sie durch, bevor Sie irgendetwas tun. Ein echter Notfall hält ein paar Minuten aus.
- Kontakt beenden. Legen Sie auf. Freundlich, aber bestimmt. Das dürfen Sie immer, auch wenn es unhöflich wirkt.
- Selbst prüfen. Rufen Sie Ihr Kind oder Ihren Enkel unter der Nummer an, die Sie schon kennen, nie unter einer Nummer, die der Anrufer nennt. Oder fragen Sie nach Ihrem Familien-Codewort.
- Hilfe holen. Sprechen Sie mit jemandem, dem Sie vertrauen, bevor Geld fließt.
Wenn etwas passiert ist
Schnell handeln – ohne Scham.
Betrüger arbeiten mit Gefühlen und gezieltem Druck. Darauf kann jeder hereinfallen. Wichtig ist, schnell zu handeln:
- Bei Gefahr oder einer laufenden Übergabe die 110 wählen. Manchmal kann die Polizei Abholer noch stellen.
- Bank sofort anrufen, wenn Sie Geld überwiesen oder Bankdaten genannt haben. Karten und Online-Banking sperren Sie über den Sperr-Notruf 116 116.
- Anzeige erstatten, auch wenn kein Geld geflossen ist. In vielen Bundesländern geht das auch online über die Onlinewache.
- Darüber sprechen. Mit Familie, Freunden oder einer Beratungsstelle. Scham hilft nur den Tätern.
Für Angehörige
So schützen Sie Ihre Eltern und Großeltern.
Ein Familien-Codewort
Vereinbaren Sie ein Wort, das nur die Familie kennt. Wer am Telefon Geld will, muss es nennen können.
Darüber reden, ohne Belehrung
Erzählen Sie von eigenen seltsamen Anrufen. Das öffnet das Gespräch besser als jede Warnung.
Weniger Angriffsfläche
Ein Telefonbucheintrag mit Vor- und Nachnamen hilft Tätern bei der Auswahl. Lassen Sie ihn ändern oder streichen.
Üben statt nur lesen
Im Ernstfall zählt, was man schon einmal geübt hat.
Im Onlinekurs CyberPate erleben Sie Schockanrufe und andere Maschen in kurzen Videogeschichten mit Familie Berger und üben, ruhig zu bleiben und richtig zu reagieren. Für Menschen ab 60 und ihre Angehörigen, ohne Vorwissen.
Auch für Eltern oder Großeltern: So funktioniert der Kauf für Angehörige.
- 7 Kapitel mit lebensnahen Geschichten
- Videos mit Untertiteln und Übungsfragen
- Merkblätter zum Ausdrucken
- 59 € einmalig, unbegrenzter Zugang
Häufige Fragen zum Schockanruf
Was ist ein Schockanruf?
Ein Betrugsanruf, bei dem Täter einen Notfall in der Familie vortäuschen, meist einen Unfall oder eine Festnahme. Ziel ist es, Sie so zu erschrecken, dass Sie sofort Geld oder Wertsachen herausgeben.
Was ist der Unterschied zum Enkeltrick?
Beim klassischen Enkeltrick gibt sich der Anrufer als Verwandter in Geldnot aus. Beim Schockanruf kommt meist eine angebliche Behörde dazu, und die Geschichte ist dramatischer. Die Schutzschritte sind dieselben: innehalten, auflegen, selbst zurückrufen, nichts übergeben.
Die Stimme klang genau wie mein Kind. Kann das trotzdem Betrug sein?
Ja. Mit künstlicher Intelligenz lassen sich Stimmen inzwischen täuschend echt nachahmen. Verlassen Sie sich nicht auf die Stimme, sondern rufen Sie unter der bekannten Nummer zurück oder fragen Sie nach Ihrem Familien-Codewort.
Ich habe schon Geld übergeben. Was jetzt?
Rufen Sie sofort die 110 an und informieren Sie Ihre Bank. Erstatten Sie Anzeige und sprechen Sie mit Menschen, denen Sie vertrauen. Es ist keine Schande, betrogen worden zu sein. Die Täter sind Profis.
Darf ich einfach auflegen, wenn die Polizei anruft?
Ja. Wenn Sie unsicher sind, legen Sie auf und wählen selbst die 110. Die echte Polizei hat dafür Verständnis.
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Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Im Notfall wählen Sie immer selbst die 110.