Ratgeber · Betrug am Telefon
Falscher Polizist am Telefon:
Wenn die „110“ anruft.
Ein Anruf, im Display steht die 110. Ein freundlicher „Kommissar“ erzählt von einer Einbrecherbande in Ihrer Nachbarschaft und bietet an, Ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Hier lesen Sie, wie diese Masche funktioniert und wie Sie ruhig und sicher reagieren.
Zahlen: Polizeiliche Kriminalstatistik, Bundeskriminalamt.
So läuft es ab
Die Täter bauen Vertrauen auf – und dann Druck.
01
Die Warnung
Ein angeblicher Polizist meldet sich: Man habe Einbrecher festgenommen, auf einer Liste stehe auch Ihre Adresse. Oder: Ihre Bank stecke mit Betrügern unter einer Decke.
02
Die Fürsorge
Er klingt hilfsbereit und kennt Details. Er fragt nach Bargeld, Schmuck und Konten, „nur zu Ihrem Schutz“. Oft dauern die Gespräche Stunden.
03
Die Übergabe
Ein „Kollege“ soll Ihre Wertsachen abholen und sicher verwahren. Oder Sie sollen Geld abheben und übergeben. Sie dürfen niemandem davon erzählen.
Ein Beispiel aus dem Kurs
Anja sieht die 110 im Display.
Ein Mittwochvormittag. Anja Berger, 62, ist allein zu Hause, als das Telefon klingelt, und im Display steht die 110. Der Anrufer klingt sachlich und überzeugend.
Sie sehen, warum gerade die 110 im Display ein Warnsignal ist und wie man ein solches Gespräch beendet, ohne sich auf eine Diskussion einzulassen.
Diese Geschichte erleben Sie im Kurs als Video (Kapitel 2).
Varianten
So verkleiden sich die Täter.
Der Kommissar mit Einbrecherliste
Ihre Adresse stehe auf einer Liste. Ihr Geld sei zu Hause nicht mehr sicher.
Der Ermittler gegen die Bank
Bankmitarbeiter seien angeblich in Betrug verwickelt. Sie sollen Ihr Geld abheben, „bevor es verschwindet“.
Der Staatsanwalt
Ein Angehöriger sei festgenommen worden. Nur eine Kaution helfe. Mehr zum Schockanruf
Der BKA-Beamte
Auch angebliche Beamte des Bundeskriminalamts oder von Europol melden sich, oft mit echten Namen von Beamten.
Der Bankanruf
Ein „Sicherheitsteam“ Ihrer Bank will verdächtige Abbuchungen stoppen und braucht dafür Ihre Daten oder eine Freigabe.
Der Besuch danach
Manchmal steht nach dem Anruf ein „Polizist“ vor der Tür, in Zivil, mit einem gefälschten Ausweis. Mehr dazu
Warnsignale
Daran erkennen Sie falsche Polizisten.
- Die 110 im Display: Die echte Polizei ruft nie mit dieser Nummer an.
- Angst: Einbrecher, Ermittlungen, korrupte Bankmitarbeiter.
- Eile: Ihr Geld müsse heute noch in Sicherheit gebracht werden.
- Geheimhaltung: Sie sollen mit niemandem sprechen, auch nicht mit der Bank.
- Geldforderung: Fragen nach Bargeld, Schmuck, Konten oder eine Übergabe.
Richtig reagieren
Ihre vier Schutzschritte.
- Innehalten. Atmen Sie durch, bevor Sie irgendetwas tun. Ein echter Notfall hält ein paar Minuten aus.
- Kontakt beenden. Lassen Sie sich Namen und Dienststelle nennen, dann legen Sie auf. Freundlich, aber bestimmt.
- Selbst prüfen. Wählen Sie selbst die 110 oder die Nummer Ihrer örtlichen Polizei, die Sie selbst heraussuchen. Nutzen Sie dafür nicht die Rückruftaste.
- Hilfe holen. Sprechen Sie mit jemandem, dem Sie vertrauen, bevor Geld fließt.
Wenn etwas passiert ist
Schnell handeln – ohne Scham.
Betrüger arbeiten mit Gefühlen und gezieltem Druck. Darauf kann jeder hereinfallen. Wichtig ist, schnell zu handeln:
- Bei Gefahr oder einer laufenden Übergabe die 110 wählen. Manchmal kann die Polizei Abholer noch stellen.
- Bank sofort anrufen, wenn Sie Geld überwiesen oder Bankdaten genannt haben. Karten und Online-Banking sperren Sie über den Sperr-Notruf 116 116.
- Anzeige erstatten, auch wenn kein Geld geflossen ist. In vielen Bundesländern geht das auch online über die Onlinewache.
- Darüber sprechen. Mit Familie, Freunden oder einer Beratungsstelle. Scham hilft nur den Tätern.
Für Angehörige
So sprechen Sie mit Ihren Eltern darüber.
Die 110-Regel
Eine einfache Regel bleibt im Kopf: „Wenn die 110 im Display steht, ist es nicht die Polizei.“
Nichts verwahren lassen
Vereinbaren Sie: Niemand nimmt Geld oder Schmuck „in Verwahrung“, egal, wer fragt.
Die Bank einweihen
Hebt jemand ungewöhnlich viel Bargeld ab, fragen Banken oft nach. Ermutigen Sie Ihre Eltern, dann offen zu antworten.
Üben statt nur lesen
Ruhig bleiben, wenn die „Polizei“ anruft: Das lässt sich üben.
Im Onlinekurs CyberPate erleben Sie falsche Polizisten, Bankanrufe und Schockanrufe in kurzen Videogeschichten und üben, wie Sie solche Gespräche sicher beenden. Für Menschen ab 60 und ihre Angehörigen, ohne Vorwissen.
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Häufige Fragen zu falschen Polizisten
Wie kann die 110 im Display stehen, wenn es nicht die Polizei ist?
Betrüger nutzen Internettelefonie und können damit fast jede Nummer anzeigen lassen. Das nennt man Call-ID-Spoofing. Die echte Polizei ruft nie mit der 110 an.
Woran erkenne ich einen echten Polizisten?
Echte Polizisten verlangen am Telefon nie Geld oder Wertsachen. Wenn Sie unsicher sind, legen Sie auf und wählen selbst die 110. Dort kann man Ihnen sagen, ob es den Anruf wirklich gab.
Der Anrufer kannte meinen Namen und meine Adresse. Ist er dann echt?
Nein. Solche Daten stammen oft aus Telefonbüchern, dem Internet oder früheren Datenlecks. Sie sind kein Beweis für einen echten Anruf.
Ich habe schon Wertsachen übergeben. Was jetzt?
Wählen Sie sofort die 110, informieren Sie Ihre Bank und erstatten Sie Anzeige. Schämen Sie sich nicht. Die Täter sind geschulte Profis.
Was ist, wenn danach jemand an der Tür klingelt?
Lassen Sie niemanden herein, den Sie nicht selbst bestellt haben. Prüfen Sie Dienstausweise über die Nummer, die Sie selbst heraussuchen, und lassen Sie die Tür im Zweifel zu.
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Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Im Notfall wählen Sie immer selbst die 110.